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Wolfgang Fleischer - Bericht vom Herbstseminar 2007 Drucken

Vorbemerkung:
Wolfgang Fleischer wurde in Auswertung des Herbstseminars um einen Artikel für den „Freidenker" gebeten. Dieser wurde nicht veröffentlicht, deshalb erscheint er jetzt hier.
Sigrid Wötzel (Vorsitzende)


Bericht vom Herbstserninar des Fachverbandes für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur in Brandenburg/Havel

Zweimal im Jahr kommen Mitglieder des Fachverbandes für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur zu Wochenendseminaren zusammen, im März und Oktober, immer an den Wochenenden, an denen die Uhr umgestellt wird. Das gibt langfristige Planungssicherheit. Gäste sind herzlich willkommen. Ein kameradschaftlicher, dabei durchaus auch streitbarer Gedankenaustausch auf der Grundlage unterschiedlicher Erfahrungen wie auch eigenständiger Vorstellungen über unsere Arbeit zeichnet unsere Zusammenkünfte seit Jahren aus und war für manchen Gast schon Anlass gewesen, als neues Mitglied des Fachverbandes nach Seminarende abzureisen.
Unser diesjähriges Herbsttreffen vom 26. bis 28. Oktober in Brandenburg an der Havel stand unter der Überschrift: „Wir helfen anderen, wie helfen wir uns?"  
Als Bestattungsredner Trauernde in ihrem Verlusterleben zu begleiten, sie zu stützen und zu bestärken, zieht in Abhängigkeit von der örtlichen Arbeitssituation eine mehr oder weniger länger fortwirkende Nähe zu Hinterbliebenen nach sich. Wer sich dieser Aufgabe mit Herz und Verstand über die Jahre widmet, bleibt davon nicht unberührt. Darum ist es unumgänglich, selbst immer wieder zu innerer Ruhe und eigener Stärke zu finden, um sinnvoll helfen zu können. Frau Dr. Strzodka beförderte unter dem Thema: „Ich bin immer für Sterbende und Trauernde da. Welche Möglichkeiten habe ich, um mein Wohlbefinden dabei nicht zu verlieren?" mit Vortrag und Diskussion einen regen wie anregenden Gedankenaustausch, der nicht mit Rezepten ( die es sowieso nicht gibt), wohl aber mit praktischen Hinweisen endete, die eigene Selbstfürsorge nicht zu vergessen, eigene Erfahrungen aufzuarbeiten, das richtige Maß des Einsatzes und der damit verbundenen Belastung für sich zu finden und seine innere Balance zu bewahren. Die lebhafte Aussprache bestätigte das Interesse der Seminarteilnehmer, sich dieser Seite unserer Arbeit als Bestattungsredner immer mal wieder zuzuwenden.
„Würdevoll bis zum Schluss - leben und sterben im Hospiz", darüber sprach Herr Jäckel, Leiter des Hospizes Brandenburg/Havel, sehr engagiert und für die Teilnehmer überaus informativ. Ausgehend von der Würde jedes Menschen, auch der Schwerstkranken und Sterbenden, sind Bedingungen zu schaffen, die den Betreffenden nicht in eine soziale Leere fallen lassen, sondern ihn in einer Gemeinschaft auffangen, was bedeutet, der verbleibenden Zeit mehr Leben zu geben. Daran knüpft die Hospizidee als der zentrale Ausgangspunkt für die Hospizbewegung und Palliativmedizin an, eine die ganze Gesellschaft beeinflussende Bewegung.

Dazu gehört
- ein neuer Umgang mit Leben, Sterben und Tod
- ein neuer mitmenschlicher Umgang durch Wiedergewinn von Familienzugehörigkeit und Nachbarschaftshilfe
- das Erhalten von Autonomie und Würde Schwerstkranker und Sterbender.

Herr Jäckel schilderte ebenso beeindruckend wie überzeugend, mit welch großem persönlichem Einsatz sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen, den Kranken eine für sie auch noch wirklich nutzbare Lebensqualität zu gewährleisten, also nicht nur ein Dasein, sondern ein ganz individuelles Erleben zu ermöglichen.
Ist auch die stationäre wie ambulante Hospizbetreuung noch längst nicht ausreichend, sollten wir Konsequenzen für die Arbeit als Bestattungsredner und Trauerbegleiter durchaus bedenken, angefangen von der in Deutschland in Gang gekommenen Diskussion über Leben, Sterben und Tod bis hin zur konkreten Abschiednahme Hinterbleibender von ihren in Hospizen gestorbenen Angehörigen.
Nachdem in den letzten Seminaren ‚der Tod von Kindern und Jugendlichen und die Trauer der Familien um die Gestorbenen thematisiert worden war, bildete die Vorführung des Fernsehfilms vom RRB aus dem Jahre 2006 „Und dann war alles still" einen emotional sehr bewegenden Abschluss dieser Themenrunde. Der Film arbeitet das Geschehen um einen überaus tragischen Verkehrsunfall in Berlin auf, infolgedessen zwei kleine Kinder zu Tode gekommen waren. Die in den Unfall verwickelten Personen, die Eltern und Geschwister und die Besatzung des außer Kotrolle geratenen Polizeifahrzeugs, sprechen zu hören, wie sie mit dem furchtbaren Geschehen umgegangen sind, hat jeden tief berührt, ein Anschauungsunterricht über die Tiefe menschlichen Leides und die Größe, es zu tragen. Für Mitglieder des Fachverbandes besteht die Möglichkeit, sich die entsprechende DVD für eine geschlossene Vorführung beim Vorstand auszuleihen.

Am Sonntag sind wir mit der Absicht auseinander gegangen, uns zum nächsten Seminar vom 28. bis 30.März 2008 wieder zu begegnen, diesmal in Magdeburg.
Das Arbeitsthema ist abgesteckt: Der Umgang mit der Mehrdeutigkeit der deutschen Sprache. Für Redner ein ewiges Thema: Werde ich auch so verstanden, wie ich es sage? Wer sich dafür interessiert - Gäste sind herzlich eingeladen. Wenden Sie sich bitte an die Vorsitzende des Fachverbandes, Signd Wötzel, Hermannstraße 3 in 03042 Cottbus.
 
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