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Grundsätze der Zusammenarbeit des Fachverbandes für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur e.V. mit anderen Verbänden und Vereinen der freigeistig-humanistischen Bewegung in Deutschland
Eine Vorbemerkung
Es gehört zur Arbeitsweise in demokratischen Parteien, Verbänden und Vereinen, die eigene Standortbestimmung innerhalb der Gesellschaft zu formulieren und diese, der Entwicklung in Gesellschaft und in den eigenen Reihen Rechnung tragend, zum richtigen Zeitpunkt zu überprüfen, bei Notwendigkeit zu korrigieren oder auch neu zu bestimmen. Nicht anders verfährt unser Fachverband.
Der mit der Magdeburger Wahlversammlung 2001 eingeschlagene Weg der Konsolidierung und Innovation beinhaltet folglich derartige Diskussionen und Überlegungen in der Mitgliedschaft und im Vorstand, die auch außerhalb des Fachverbandes Aufmerksamkeit fanden.
In diesem Prozeß war nicht zu übersehen, daß insbesondere unsere Stellung als Fachverband in der freigeistig-humanistischen Bewegung einschließlich unserer korporativen Mitgliedschaft in anderen Verbänden ein Thema war, welches unterschiedlichste Reaktionen hervorrief. Diese reichten von verständlicher freundschaftlicher Sorge über ein mögliches Abwenden unseres Fachverbandes von freigeistigen Positionen, z.B. eines säkular begründeten Humanismus, über Unkenntnis geschuldeter Mißdeutung unserer Ziele und Absichten bis hin zu Versuchen Einzelner, in anmaßender und bevormundender Weise uns aus der freigeistigen Bewegung in ihrer Gesamtheit auszugrenzen.
Das alles war für den Vorstand Anlaß, die in unserem Verband von einer deutlichen Mehrheit der Mitglieder auf der Grundlage unserer Satzung vertretene Haltung in diesen Fragen noch einmal verdeutlichend zusammenzufassen und anderen Verbänden und Vereinen zur Kenntnis zu geben. Das ist der Hintergrund des Entstehens dieses Positionspapiers. Für die damit verdeutlichten Ziele wollen wir nach besten Kräften eintreten und uns gern daran messen lassen.
Grundsätze der Zusammenarbeit des Fachverbandes für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur e.V. mit den anderen Verbänden und Vereinen der freigeistig-humanistischen Bewegung in Deutschland
Die Zusammenarbeit des Fachverbandes für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur e.V. (Fachverband) mit den Verbänden und Vereinen der freigeistig-humanistischen Bewegung (das sind die konfessionsfreien, atheistischen, freigeistigen, freidenkerischen, humanistischen, freireligiösen, unitarischen Verbände, Vereinigungen und Gemeinschaften einschließlich des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften) in Deutschland zu pflegen und zu entwickeln, ist sowohl Ziel als auch eine unerlässliche Voraussetzung für die Arbeit des Fachverbandes.
Die Arbeit des Fachverbandes richtet sich dabei nach folgenden Grundsätzen:
1. Für die Tätigkeit des Fachverbandes gelten die in der Satzung des Verbandes vom 22.3.1997 erklärten Grundsätze und Ziele seiner Arbeit (§2 der Satzung).
Darin heißt es:
- Der Fachverband ist eine gemeinnützige, mildtätig wirkende, rechtlich selbständige, von Parteien unabhängige Vereinigung.
- Der Fachverband versteht sich als ein Teil der freigeistigen Bewegung in ihrer Gesamtheit und bekennt sich zu deren humanistischen Anliegen und Traditionen. Er arbeitet in Übereinstimmung mit den von der UNO deklarierten Menschenrechten und setzt sich für das im Grundgesetz erklärte Recht auf Gewissens- und Glaubensfreiheit ein.
- Der Fachverband will den Bedürfnissen von Menschen nach nichtreligiöser, konfessionsfreier, würdevoller, individuell gestalteter Bestattung nachkommen. Dazu dienen Beratung, Sterbebegleitung, Feiergestaltung und Hinterbliebenenbetreuung.
- Der Fachverband beteiligt sich an der Gestaltung von Friedhofsanlagen und dem Erhalt von Denkmalen der Bestattungskultur. Er unterbreitet Vorschläge für zeitgemäße Formen der Bestattungs- und Trauerkultur.
- Der Fachverband tritt vor die Öffentlichkeit, damit Sterben, Tod und Trauer als Vorgänge begriffen werden, die zum Leben der Gesellschaft gehören. Der Fachverband tritt für das individuelle Recht auf ein humanes Sterben ein.
- Der Fachverband tritt für ein vorurteilsfreies Verhältnis zu gläubigen Menschen ein. Er erstrebt Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Vereinigungen, die sich ähnlichen Zielen verpflichtet fühlen.
2. Die Bemühungen des Fachverbandes zielen auf eine zeitgemäße freigeistige Lebenskultur für jene Bereiche, die das Sterben der Menschen und das Gedenken der Toten umfassen.
In der Beschränkung auf diesen Lebensbereich konfessionsfreier Menschen und damit in der Konzentration seiner Arbeit auf das Feld der Bestattungs- und Trauerkultur sieht der Fachverband Möglichkeit und Verpflichtung, mit einem eigenständigen Beitrag den Bedürfnissen der freigeistig-humanistischen Bewegung in Deutschland hinsichtlich einer solchen Lebenskultur gerecht zu werden.
Neue Ideen anzuregen, Erfahrungen zusammenzutragen, wissenschaftliche Arbeiten zu verfolgen und auszuwerten und nicht zuletzt die eigene praktische Tätigkeit vorzustellen, umreißen ein Aufgabenfeld, das dem Fachverband eine Verantwortung über die eigenen Verbandsgrenzen hinweg zuordnet. Der Fachverband ist gewillt, diesen Auftrag wahrzunehmen.
3. Im Zusammenhang mit der unmittelbaren Arbeit seiner Mitglieder für die (in irgendeiner Weise) vom Tod berührten Menschen ist der Fachverband bestrebt, zeitgemäße Vorstellungen einer weltlichen (nichtkirchlichen, nichtreligiösen, der Tradition der freigeistigen und humanistischen Bewegung in Deutschland verpflichteten) Trauerkultur zu erarbeiten, zu propagieren und zu praktizieren.
Das schließt die Zusammenarbeit mit allen Personen ein, die an einer solchen Thematik aus wissenschaftlichen oder/und praktischen Gründen interessiert oder mit ihr befaßt sind, unabhängig von ihrer Mitgliedschaft in jeweiligen Vereinigungen. Vorträge, Seminare, Konferenzen und Publikationen sind die dafür notwendigen Arbeitsmittel.
4. Der Fachverband lädt alle Vereinigungen und Verbände der freigeistig-humanistischen Bewegung zur Mit- und Zusammenarbeit ein.
Eine wirklich praktizierte weltliche Trauerkultur, die auch weltanschaulich untersetzt ist, gibt es bestenfalls in Ansätzen, eine theoretische Reflexion dessen so gut wie nicht.
Den Bedürfnissen der Menschen Rechnung zu tragen, sollten wir uns verpflichtet fühlen. Keiner weiß heute genau, wohin sich die Bedürfnisse sterbender und trauernder Menschen entwickeln. Aber die sich in der Realität verändernden Bedürfnisse zu reflektieren und ihnen eine kulturvolle Wirklichkeit über ökonomische Interessen hinaus zu bieten, sollte unser aller Anliegen sein.
5. Die konkrete Arbeit kann sich nicht auf Absichtserklärungen der Vorstände der jeweiligen Verbände und Vereine beschränken ( so sehr sie auch Voraussetzung einer gedeihlichen partnerschaftlichen, kooperativen Arbeit sind), sondern sie verlangt darüber hinaus die unmittelbare Zusammenarbeit der interessierten Mitglieder unterschiedlicher Vereinigungen vor Ort wie auch auf entsprechenden Seminaren und ähnlichen Veranstaltungen.
Der Fachverband begrüßt und unterstützt eine dementsprechende Arbeitsweise seiner Mitglieder, die sich auch in der Mitgliedschaft in anderen freigeistigen Verbänden niederschlagen kann. Umgekehrt begrüßt der Fachverband jede Mit- und Zusammenarbeit von Mitgliedern anderer Verbände im Rahmen seiner Tätigkeit und seines sich gesetzten Aufgabengebietes.
Wenn daraus Mitgliedschaften im Fachverband erwachsen sollten, so erklärt der Fachverband hiermit verbindlich, daß sich diese in keiner Weise gegen die Mitgliedschaft in anderen Verbänden richten werden.
6. Die Bedeutung wie der Umfang der hier nur kurz skizzierten Aufgaben schließt ein, daß die anderen Verbände und Vereine ihre Vorstellungen und Arbeitsweisen hinsichtlich der genannten Problematik in entsprechender Art und Weise vorstellen und den Fachverband und seine Mitglieder zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch einladen.
Derartige Beratungen und fachliche Diskussionen werden vom Fachverband immer unter dem Gesichtspunkt der Suche nach den uns gemeinsam voranbringenden Ergebnissen zum Wohle der von Trauer und Schmerz betroffenen Menschen gesehen.
Die gemeinsame Arbeit wird sicherlich im Detail konkrete Fragen aufwerfen, die einvernehmlicher Lösungen bedürfen. Der Fachverband wird für alle Anregungen offen sein und sich in seiner Tätigkeit von dem Grundsatz leiten lassen, alles zu fördern, was der zielstrebigen Ausgestaltung einer weltlichen Bestattungs- und Trauerkultur in Deutschland dienlich ist.
Berlin, im November 2002
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