Fachverband für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur e.V.
Montag, 8. September 2008
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Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen ... von Dr. Richau Drucken

Zum Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen zwischen Ignoranz, Achtung und Toleranz  - Versuch einer Zusammenfassung unter dem Aspekt

 "Qualitätsansprüche an die weltliche Bestattungsfeier" von Dr. Andrea Richau

Eine Vorbemerkung:

Zwecks vereinfachter Sprechweise verbleibe ich in der männlichen Bezeichnung der verschiedenen Berufsgruppen - selbstverständlich beziehe ich mich in meinen Gedanken immer auch auf die weibliche Form.

Ich könnte die umgedrehte Reihenfolge wählen - dass ich es nicht tue, ist meine Höflichkeit, wenn ich als Frau spreche, dann wenigstens in der Anrede die Männer in den Vordergrund zu rücken. - ein Ausdruck meines Respekts, dass die Männer in ihrer Höflichkeit die alte, gute Tradition des Anstandes bewahren, und in ihren Anreden allgemeinüblich zuerst die Frauen ansprechen.

So, nun zum Hauptteil:

Kolloquium zur weltlichen Bestattungskultur in Berlin, Versuch einer Zusammenfassung wie in der Einladung ausgewiesen:

Lassen Sie mich die gewählten Begriffe voranstellen:

Ignoranz: das Nichtwissen

Achtung: die Wertschätzung

Toleranz: die Duldsamkeit von Abweichungen

Ich möchte einen weiteren Begriff hinzufügen:

Animositäten: Gereiztheit

Nun, ja .......

Vielfältig sind die Dienstleistungen, die im Hinblick auf eine Bestattung zusammenwirken. Vielfältig sind ihre Ausdrucksformen, vielfältig sind die Ansprüche, vielfältig begegnen uns in diesem Zusammenhang die persönlichen Animositäten der Dienstleister, ihre Ansinnen zu verwirklichen.

Vielfältig auch äußert sich die Trauer der Hinterbleibenden. Vielfältig auch brauchen die Hinterbleibenden die Dienstleister.

Fast jeder der hier genannten weiß vom anderen, manchmal kommen alle zusammen. Oft aber begegnen sie einzeln, nacheinander und nicht im Verbund.

Im Rahmen dieser Vielfältigkeiten ist unser, der mit der Dienstleistung "Bestattung" Beauftragten Anspruch jedoch ganz klar auf einen Nenner zu bringen: Abschiedsfeier, Bestattung und Trauerbewältigung sollen am individuellen Anspruch und Bedürfnis der Gestorbenen und der Hinterbleibenden ausgerichtet sein. Die Trauer soll das ganze Gewesene - das Verlorene wie auch das Zerstörte, auch Freuden und Ängste - in Vergangenheit und Gegenwart widerspiegeln und Erwartungen an die Zukunft richten (dürfen). Trauerbegleitung - in welcher Form auch immer (und hier zähle ich zu den Begleitern sowohl den Bestatter oder die jeweiligen Bestattungsberater, den Redner, den Urnen-, die Sargträger, den Floristen, den Musiker, den Steinmetz, das Friedhofspersonal, den Leichenwäscher, den Sargkünstler - ich will wirklich nicht einen nicht genannt haben), - Trauerbegleitung muss Hilfe für die Hinterbliebenen sein, ihre empfundene Lebenskrise, die Ausnahmesituation in ihrem Lebensverlauf zu bewältigen.

Ein Anspruch, der sich nur durch das vielfältige Zusammenwirken verschiedener Kompetenzen verwirklichen, umsetzen lässt.

Das große Verdienst der Bestatter ist es, in vielfältiger Weise vielfältige Kompetenzen zusammenzuführen, um Trauernden einen ihren Interessen entsprechenden Abschied von dem Gestorbenen zu ermöglichen. Sie sind sozusagen die Regisseure in einem Drama, das schnell aber, kommen die Kompetenzen nicht zusammen, zum Trauerakt im wahrsten Sinne des Wortes oder vielleicht unfreiwillig auch zur Komödie oder gar Satire sich wandelt.

Mit der besonderen Art des Abschiedes wollen Hinterbleibende ihren Respekt, ihren Dank, oder durchaus auch ihren Zorn gegenüber demjenigen, der gestorben ist, ausdrücken - zugleich aber auch die starke Bindung an ihn öffentlich machen in einer Gemeinschaft, in der sie aufgehoben bleiben wollen, mit der sie sich bislang identifizierten.

Immer stärker werden von den Menschen in ihren sozialen und beruflichen Wirkungsfeldern psychologische und kommunikative Fertigkeiten und Fähigkeiten erwartet, ja verlangt. Doch vor allem in persönlichen Krisensituationen sind gerade die psychologischen und kommunikativen Fähigkeiten gestört, zum Teil erheblich gestört.

Sterben und Tod eines nahe stehenden Menschen verursachen nicht nur gravierende Gefühlsausbrüche als Selbstvorwürfe, Zweifel an allem, an jedem, Wut, Enttäuschung auch in die Fähigkeiten anderer Professionen (zum Beispiel die medizinischen und geriatrisch-gerontologischen, aber auch alles, was mit der Bestattung zusammenhängt). Sterben und Tod eines nahe stehenden Menschen machen für einen Moment zu einem beträchtlichen Teil in der nun neuen familiären, sozialen, Beziehungs-Situation hilf- und ratlos. Aber ein neues Selbstverständnis, eine neue Rolle, ein neuer Status will geortet, gefunden, eingerichtet, ein neues Selbstbild und ein neues Selbstwertgefühl aufgebaut werden. Trauernde sind jedoch kaum leistungs- und entscheidungsfähig - nicht für sich, nicht für andere. Doch es gilt, den Betroffenen den von vielen doch gewollten Widereinstieg in den - neuen - Alltag zu erleichtern, zu ermöglichen. Eine hohe Verantwortung, eine hohe moralische, ethische, gesellschaftliche Verantwortung tragen wir - wir, die wir unser berufliches Tun auf die Begleitung Trauernder ausrichten.

Worauf aber geben wir in unserer ersten Zuwendung zu den Hinterbliebenen Acht? Begegnen wir Ihnen mit in unseren Köpfen und Erfahrungen ausreichend erprobten, durchaus auch bewährten und so wenig nur in Frage gestellten "Strickmustern", oder begegnen wir ihnen so offen, dass sie ermutigt sind, ihre ganz individuellen Vorstellungen vom Abschied zu entwickeln? Lenken wir sie wirklich ausreichend hin, eigene Gedanken zu formen und eigenen Willen durchzusetzen?

Geben wir immer ausreichend Acht, dass mehrere verlorene Leben betrauert werden - das des Verstorbenen, das nun in der Gemeinsamkeit erloschene, das nun im Selbst aufgegebene? Wie oft sind wir gefordert, in den, die Trauernden begleitenden Gesprächen Lebensorientierungen aufzuspüren, aufzuzeigen. Die Frage, "wer trauert um wen und warum" ist nicht beantwortet mit der Feststellung, der Sohn trauert um den Vater, die Tochter um die Mutter, die Eltern um das Kind, die Freunde um den Freund - weil sie/er gestorben ist. Und sie erschöpft sich auch nicht mit der Feststellung, der Gestorbene war alt oder jung, krank oder selbstmörderisch.

Viele Hinterbleibenden wollen ihre Betroffenheit in einer ganz konkreten Art und Weise des Abschiedes ausdrücken, in der Art und Weise der Bestattung. Urne oder Sarg, Trauerfeier oder stille Begleitung, anonym oder extra ausgewähltes Grab ... Diese Dimensionen der Sinngebung und Sinnfindung zu erkennen, ist unsere professionelle Aufgabe, ohne sich selbst als "Guru" über andere Kompetenzen heraus- oder darüberzuheben.

Keine kleine Aufgabe, wie mir scheint.

Vielfach hören wir das Stöhnen: "Man kann sich nichts mehr leisten!" Ist der Wunsch nach Bestattung in Gemeinschaftsanlagen, ohne Abschiedsfeier, ohne Grabstein nun eine Folge von Auflösungen bisheriger familiärer Zusammenhalte und Zusammenwohnen, und/oder auch eine Folge der wachsenden Spannungsfelder zwischen finanziellen Zwängen und steigenden Dienstleistungspreisen?

Oder gibt es noch andere Gründe? Vielleicht möchten Menschen ihre durch die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse durchbrochenen Biografien wirklich nicht öffentlich machen, weil sie doch den Widerspruch zwischen tradierten Wertvorstellungen von Kontinuität und Stabilität im Lebensverlauf und einem Hin- und Hergeworfensein im sozialen Selbstverständnis markieren. Man spricht von Bastel- oder auch Patchworkbiografien - Biografien, die durchgeschüttelt sind von Arbeitslosigkeit, Umschulung, Warten auf verdienten Lohn, Neueinstellung, Probezeit, Liquidität des Unternehmens, Neuorientierung, Resignation.

Lebenssituationen und Lebenslagen werden zunehmend instabil. Aktionen und Reaktionen im Lebensalltag sind einer bisher unbekannten Dynamik unterworfen. Und die Familie als traditionelles Dach und als traditionellen sozialen Halt im Generationenverbund gibt es so wie bekannt nicht mehr. Damit verändern sich nicht nur Rituale im Umgang mit Vergangenem, mit Gestorbenen, sondern auch das Aufgehobensein in Gemeinschaften.

Zu beobachten allgemein-gesellschaftlich ist eine Vereinsamung, eine Verunsicherung, Isolation, auch Selbstisolation von Menschen. - Ist der Wunsch nach der "Grünen Wiese" so vielleicht auch ein Ausdruck der Vereinsamung der Hinterbliebenen? Eingebettet in einer Masse, und ist sie noch so anonym, ist man doch nicht allein!

Aber die Suche nach der Klammer für Trost, nach Ersatz des Verlorenen, nach Verdrängung des Geschehnen und nach Zuspruch des Erlittenen aber bleibt bestehen. - Alte Ansprüche in neuen Rahmen? Was aber machen wir? Wir leisten oft alte Rahmen für neue Ansprüche (Beteiligte unserer Dienstleistungssparten sind es doch, die sich verwundern, wenn der "übliche" Feierkreislauf Eingang/1. Musikstück/Rede/2. Musikstück/Ausgang aufgehoben wird.)

Immer mehr auch entfremden wir die Trauergäste von der Trauerfeier, da wir ihnen oft die Selbstbeteiligung - gut gemeint wohl - abnehmen.

Das kommerzielle Betätigungsfeld auf dem Gebiet der Bestattung wird zunehmend nicht nur betriebsökonomisch monopolisiert, sondern auch standardisiert. Kompetenzen beginnen gegeneinander zu rangeln, anstatt sich partnerschaftlich zu konzentrieren. Alles orientiert sich dabei für und auf den Beisetzungstag. Alle Gewerke treffen zergliedert aufeinander.

Wieso werden Redner von Bestattern beargwöhnt, wenn im Ergebnis des intensiven Hausgespräches Musikwünsche für die Feierbegleitung verändert werden? Und warum wird Hinterbliebenen von Bestattungsberatern eine Musikliste vorgelegt, aus der dann einzelne Stücke favorisiert werden mit der Bemerkung "Das wird gern genommen!"? Der Organist spricht dann drei Minuten vor Feierbeginn sowieso: "Nein - diese Tonarten passen nicht zusammen!" Und fortgeführt wird der Dissens bei der Erörterung, wie der so genannte Eingang, wie der so genannte Ausgang zu erfolgen habe. Die Varianten liegen zwischen "Staatsprotokoll" und "autonome Szenerie".

Es zeigt sich, dass Bestatter, Redner, Trauerfeierbegleiter, Musiker, Floristen und schließlich auch die Steinmetze in ihren Auffassungen nicht immer konform sind.

Die Fragen der Hinterbliebenen ähneln sich aber sehr - und sie richten sie sowohl an den Bestatter, als auch an den Redner, den Trauerfeierbegleiter, den Musiker:

- Wie wird der Ablauf der Feier sein?

- Darf man denn ganz persönliche Dinge in der Rede hervorheben und während der Feier moderne Musik spielen?

- Wozu braucht man denn eine Trauerrede, wenn die, die da kommen, sowieso den Gestorbenen gut kennen? Und was aus der Biografie soll man herausstellen? Wen und was soll man nennen und wen und was lieber verschweigen?

- Warum darf die Feier nicht am offenen Sarg oder aber auch direkt an der Grabstätte stattfinden?

- Darf ich die Feierhalle selbst schmücken

- Warum muss denn der Tote unbedingt in einem Sarg verbrannt werden?

- Muss man denn unbedingt eine Schmuckurne benutzen?

- Kann ich denn einen Toten wirklich noch einmal in sein bisheriges Zuhause zurückholen?

- Werfe ich Sand oder doch lieber Blumen in die Grube nach?

- .....

Das Fragensprektrum ließe sich unendlich erweitern. Eigentlich wird zum Ausdruck gebracht, dass man unsicher ist, unsicher, wie mit Kultur und Tradition sozusagen umzugehen ist. Und die Unsicherheit gewinnt die Oberhand gegenüber dem Mut, eigene Vorstellungen zu entwickeln.

In der Trauerbegleitung aber werden alle Fragen noch einmal gestellt, alle Empfindungen noch einmal ausgesprochen - jetzt aber mit einem anderen Ziel - nämlich, um letztlich die Gewissheit zu erhalten, dass "man doch alles richtig gemacht habe? Das Fragezeichen wird aber ziemlich zögerlich und leise gesprochen. Drei Wochen nach der Trauerfeier verschickte, für die Rückantwort schon frankierte Postkartennachfragen, ob man denn mit allem zufrieden gewesen sei, heben die Verunsicherung nicht auf.

Es also lohnenswert - ich denke, nicht nur im übertragenen, sondern auch ganz ökonomischen Sinne -, neue Formen der Begegnung und der Konsenssuche auszuprobieren, um optimal - ich betone, optimal und nicht maximal - den Abschied Gestorbener "abzurunden".

Nicht sinnvoll an dieser Stelle ist es aber, Traditionelles, Herkömmliches zu verdammen, aus dem Angebot herauszunehmen und nun nur noch auf Neues zu orientieren! Manch einer will, manch einer braucht auch die Orientierung am Gewohnten, findet in der situativen Verunsicherung seinen ausdrücklichen Halt gar im Tradierten.

Aber: Bedarf denn die zunehmende Individualisierung der Personen gegenüber der Gesellschaft, die zunehmende Sequentierung von Lebensläufen, die zunehmende Privatisierung von Verantwortung in allen Teilen im Lebensverlauf nicht auch endlich der Aufhebung aller Vorschriften, Anordnungen und Direktiven, Verhaltensregeln und Verhaltensmustern? Zunehmend mehr wird den Menschen die Verantwortung für sich und über sich in allen Belangen des Lebens ihnen übertragen, Verantwortung gegenüber allem und jedem wird individualisiert, Lebenslage als selbstgewählt und selbstbestimmt personifiziert. Wieso also möge nicht ein jeder selbst zusehen und bestimmen, wie er oder wer unter die Erde oder in den Himmel oder in die See kommt? Der per Gesetz aneinander gekoppelte Bestattungs- und Friedhofszwang ist so ein Ritual der Vergangenheit. Die Urne auf dem Kaminsims, der Sarg in der Selbstgeweihten Gartenerde wären doch vielleicht dem Interesse des Gestorbenen ebenso wie des Hinterbleibenden viel natürlicher und persönlichkeits-entsprechender? Sollte man außerdem in der gegenwärtigen Welt der Entfremdung und Vereinzelung nicht vielmehr ein amerikanisches Ritual der Beerdigung übernehmen, wonach ein Toter verbrannt und dann anonym (wirklich anonym) durch ästhetisch inszenierte Wasserspiele hygienisch unbedenklich über einem, dem Gedenken geweihten Rasen versprengelt wird und unter ewigen Chopinschen Klängen der immer wieder neu gedünkte Rasen als englisches Zier- und Schmuckmuster sich erneuert?

Eine Brücke vom Alten zum Neuen gäbe es: In Rostock, der Hansestadt an der Ostseeküste, gibt es eine Streuwiese. Die Asche der Gestorbenen wird hier wirklich verstreut - und diejenigen durften vorher in der ganzen Republik gewohnt haben. Jedenfalls wäre das eine echte Alternative zur so oft schon eingeforderten Aufbewahrung der Urne auf dem Kaminsims oder Bestattung des Sarges in der Gartenerde. Nachfolgeerben würden nicht mit der Frage konfrontiert werden, wer die Urne vom Kaminsims dann in der Folge aufbewahrt, wenn der Vorerbe gestorben ist, oder was mit den Gebeinen in der Gartenerde passieren wird, wenn der Garten - aus welchen Gründen auch immer - verkauft wird.

Wenn wir alle tradierten Bestattungsrituale sowieso in Frage stellen und auch Gesetze umschreiben, dann sollten wir auch das Erbrecht nicht auslassen. Im Paragraph 1968 des ehrwürdigen BGB steht geschrieben, dass der Erbe die standesgemäße Bestattung des Erblassers zu tragen hat. Was aber ist heute standesgemäß?

Was also wollen, was können wir betriebsökonomisch kulturell sinnvoll, sinnstiftend in diesem Strukturwandel leisten?

Dass diese Wandlungen sich in unseren Betätigungsfeldern auswirken, indem sie schon längst das Bestattungsverhalten von Hinterbleibenden veränderten, berührt uns - kulturell, aber auch betriebswirtschaftlich - wir würden uns sonst wohl nicht einen ganzen Samstag, einen ganzen Tag eigentlicher Wochenendruhe hier zur Debatte zusammenfinden.

Respektvolle Achtungszeichen, wie Individualität in der Bestattungs- und Trauerbegleitung nicht einer Beliebigkeit preisgegeben, sondern würdevoll ausgedrückt wird, gibt es. Wie kaum anderswo erlaubt zudem die multikulturelle Vielfalt dieser, unserer Stadt, der Hauptstadt, individuelle Abschiede zu ermöglichen und zu tolerieren.

Das, was die Professionalität unserer Arbeit von uns verlangt, gilt es also, selbst professionell hervorzubringen - und dazu gehört Respekt im Umgang miteinander, die Akzeptanz verschiedener Kompetenzen und die Toleranz, dass es insbesondere die Bestatter sind, die diese zusammenzuführen haben. Das aber kann sich nicht nur aus der Verpflichtung des Gesetzes heraus ergeben. Bestatter dürfen sich nicht als überkompetent verstehen, sondern müssen sich als Sachwalter, als Manager zur Kompetenzverknüpfung begreifen. Zu oft begegnen sich die einzelnen Gewerke im Zusammenhang mit der Bestattung noch immer ignorant, also nichtwissend, was das Fachgebiet des anderen wirklich ausmacht. Wissen bedeutet doch nicht, alles selbst zu können, sondern Respekt gegenüber der anderen Leistung. 

Das aber erfordert von uns nicht nur ein, wie so oft schon angemerktes und doch umstritten debattiertes Werten von Leben, von Sein, sondern auch ein Tolerieren von anderen Sinnrahmen, Sinngebungen, Sinnorientierungen als der eigenen.

Was also ist tradiert, was also ist kulturvoll?

Was ist weltliche Bestattungskultur - und zwar nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart, in der Zukunft? Gibt es eine Berliner Besonderheit?

Viele Fragen, viele Antworten - das wissen wir, nicht erst seit heute. Nicht Antworten, sondern Probleme sind nun ein weiteres Mal umrissen, benannt. Deren Lösung aber ist unser Anspruch. Aus diesem Grunde auch hatten wir zur gemeinsamen Debatte geladen. Die gemeinsame Debatte, denke ich, war erfolgreich. Denn hier wurde vieles ausgesprochen in einem Gremium, das eine ganze Branche füllt, bislang so wenig aber nur in dieser Gemeinsamkeit in der Gemeinschaft zusammenkam. Das können wir ändern! Dazu brauchen wir keine Gesetze, sondern nur ein Wollen.

Lassen Sie uns also miteinander im Gespräch bleiben: Ein nächstes Mal zur gemeinsamen Gestaltung des "Tages des offenen Friedhofes" hier in der Stadt, ein nächstes Mal im Vorfeld des Totensonntages, ein nächstes Mal bei der Überarbeitung der Gebührenordnung für Feiern auf Städtischen Friedhöfen ...

Der Fachverband für weltliche Bestattungs- und Trauerkultur bleibt gern ein sachkompetenter Ansprechpartner.

Dr. Andrea Richau

 

 

 

 
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